STACHELSCHWEINVERWANDTE – TRUGRATTEN
DEGU
Octodon degus
Der Degu ist ein kleines Nagetier aus Südamerika, das vor allem durch seine soziale Lebensweise, hohe Intelligenz und sein neugieriges Verhalten bekannt geworden ist. In den letzten Jahrzehnten wurde der Degu auch als Haustier immer beliebter. Obwohl er auf den ersten Blick an eine Mischung aus Maus, Ratte und Chinchilla erinnert, gehört er zu einer eigenen Tiergruppe und besitzt viele besondere Eigenschaften.
Herkunft und natürlicher Lebensraum
Degus stammen ursprünglich aus Chile in Südamerika. Dort leben sie vor allem:
- in halbtrockenen Gebieten,
- Buschlandschaften,
- steinigen Regionen
- und am Rand der Anden.
Das Klima ihrer Heimat ist meist trocken mit warmen Tagen und kühlen Nächten. Deshalb sind Degus gut an Temperaturschwankungen angepasst, reagieren jedoch empfindlich auf hohe Luftfeuchtigkeit.
In freier Wildbahn leben sie in großen Gruppen und bauen weitverzweigte unterirdische Tunnelsysteme.
Wissenschaftliche Einordnung
Der wissenschaftliche Name lautet:
Octodon degus
Degus gehören:
- zur Ordnung der Nagetiere,
- zur Familie der Trugratten.
Verwandt sind sie unter anderem mit:
- Meerschweinchen,
- Chinchillas
- und anderen südamerikanischen Nagern.
Aussehen
Degus sind relativ kleine Tiere:
- Körperlänge: etwa 12–20 cm,
- Schwanzlänge: etwa 10–15 cm,
- Gewicht: ungefähr 170–300 Gramm.
Typische Merkmale:
- braun-graues Fell,
- große dunkle Augen,
- runde Ohren,
- langer Schwanz mit kleiner Quaste,
- kräftige Hinterbeine.
Der Schwanz ist empfindlich. Wird ein Degu daran festgehalten, kann sich die Haut ablösen. Dieses Verhalten dient als Schutzmechanismus vor Fressfeinden.
Verhalten und Charakter
Degus gelten als:
- sehr sozial,
- intelligent,
- aktiv,
- neugierig
- und kommunikativ.
Soziale Tiere
In der Natur leben Degus in Gruppen mit komplexen sozialen Strukturen. Sie:
- schlafen zusammen,
- warnen sich gegenseitig vor Gefahren,
- pflegen einander
- und kommunizieren mit verschiedenen Lauten.
Deshalb sollten Degus niemals allein gehalten werden. Einzelhaltung kann zu:
- Stress,
- Verhaltensstörungen
- und gesundheitlichen Problemen führen.
Aktiv am Tag
Im Gegensatz zu vielen anderen Nagetieren sind Degus überwiegend tagaktiv oder dämmerungsaktiv. Dadurch eignen sie sich für manche Menschen besser als nachtaktive Haustiere.
Kommunikation
Degus besitzen eine erstaunlich vielfältige Lautsprache. Sie nutzen:
- Pfeifen,
- Zwitschern,
- Quietschen,
- Knurren
- und Klicklaute.
Außerdem verständigen sie sich über:
- Körperhaltung,
- Gerüche,
- und Berührungen.
Forscher untersuchen Degus deshalb auch zur Erforschung sozialen Verhaltens.
Ernährung
Degus sind Pflanzenfresser und benötigen eine sehr spezielle Ernährung.
Wichtige Bestandteile:
- Heu,
- Kräuter,
- Blätter,
- Gräser,
- Zweige,
- spezielle Degu-Futtermischungen.
Keine zuckerhaltige Nahrung
Degus neigen stark zu Diabetes. Deshalb dürfen sie:
- keinen Zucker,
- kaum Obst,
- keine Süßigkeiten
- und kein zu fettes Futter bekommen.
Schon kleine Mengen falscher Nahrung können langfristig gesundheitliche Schäden verursachen.
Frisches Wasser muss jederzeit verfügbar sein.
Fortpflanzung
Die Tragzeit beträgt ungefähr:
- 85 bis 95 Tage.
Ein Weibchen bringt meist:
- 1 bis 8 Jungtiere zur Welt.
Besonders interessant:
Die Jungtiere kommen bereits:
- mit Fell,
- geöffneten Augen
- und relativ weit entwickelt zur Welt.
In der Gruppe helfen oft mehrere Tiere bei der Aufzucht.
Intelligenz und Forschung
Degus gelten als sehr lernfähig. Sie können:
- Wege merken,
- Aufgaben lösen,
- soziale Beziehungen erkennen
- und Routinen lernen.
Wissenschaftlich sind Degus interessant, weil sie einige Eigenschaften besitzen, die auch beim Menschen vorkommen. Deshalb werden sie unter anderem erforscht in Bezug auf:
- Diabetes,
- Alterungsprozesse,
- Schlafverhalten
- und neurodegenerative Erkrankungen.
Einige ältere Degus entwickeln sogar Veränderungen im Gehirn, die Ähnlichkeiten mit Alzheimer-Krankheit zeigen.
Haltung als Haustier
Degus benötigen:
- viel Platz,
- Beschäftigung,
- Sozialkontakt
- und geeignete Ernährung.
Anforderungen an die Haltung
Ein geeignetes Degu-Gehege sollte:
- groß,
- gut belüftet,
- klettersicher
- und abwechslungsreich eingerichtet sein.
Wichtig sind:
- Etagen,
- Röhren,
- Verstecke,
- Klettermöglichkeiten,
- Sandbad
- und Nagematerial.
Da Degus ständig wachsende Zähne besitzen, müssen sie regelmäßig geeignete Materialien benagen.
Sandbad statt Wasserbad
Degus reinigen ihr Fell mit feinem Sand – ähnlich wie Chinchillas. Wasserbäder sind ungeeignet, weil das Fell schlecht trocknet.
Gesundheit
Häufige Gesundheitsprobleme:
- Diabetes,
- Zahnprobleme,
- Übergewicht,
- Augenkrankheiten,
- Verletzungen durch falsche Haltung.
Regelmäßige Kontrolle und artgerechte Ernährung sind deshalb besonders wichtig.
Lebenserwartung
In freier Natur leben Degus oft nur wenige Jahre. Als gut gepflegte Haustiere können sie:
- etwa 5 bis 9 Jahre,
- manchmal sogar länger
leben.
Unterschiede zu anderen Nagetieren
Im Vergleich zu Hamstern oder Mäusen:
- sind Degus stärker sozial orientiert,
- meist tagsüber aktiver,
- und benötigen mehr Platz und Beschäftigung.
Im Vergleich zu Chinchillas:
- sind sie kleiner,
- oft aktiver am Tag,
- aber ebenfalls empfindlich gegenüber falscher Ernährung.
Degus und Menschen
Viele Halter schätzen Degus wegen:
- ihrer Neugier,
- ihrer Interaktionen,
- und ihres lebhaften Verhaltens.
Mit Geduld können Degus zutraulich werden und auf ihre Bezugsperson reagieren. Sie bleiben jedoch Fluchttiere und mögen meist kein festes Festhalten.
Fazit
Der Degu ist ein intelligentes, soziales und faszinierendes Nagetier mit komplexem Verhalten. Seine Haltung erfordert Wissen, Zeit und passende Bedingungen. Wer sich intensiv mit seinen Bedürfnissen beschäftigt, kann jedoch sehr interessante Beobachtungen machen und eine enge Beziehung zu diesen lebhaften Tieren entwickeln.
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